Diagnostik | Andere Angsterkrankungen
Im Folgenden werden weitere Angsterkrankungen vorgestellt, die ebenso wie die Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie zum Spektrum der Angsterkrankungen gehören. Zu diesen Erkrankungen bieten wir derzeit in unserer Spezialambulanz keine störungsspezifischen Therapien an, helfen jedoch gerne bei der Suche nach entsprechenden Angeboten.
Spezifische Phobie
Spezifische Phobien treten in Deutschland bei ca. 11% der Frauen und ca. 5% der Männer auf (12-Monats-Prävalenzen). Der Beginn der Ängste liegt bei den meisten Erkrankten vor dem 20. Lebensjahrzehnt, bei Frauen ein paar Jahre früher als bei den Männern. (Quelle: Bundesgesundheitssurvey 98).
Diagnostische Kriterien nach ICD-10 (Internationale Klassifikation psychischer Störungen, herausgegeben von der Weltgesundheitsorganisation):
- Die psychischen und körperlichen Symptome müssen von der Angst herrühren und nicht auf anderen Symptomen wie Wahn- oder Zwangsgedanken beruhen.
- Die Angst muss auf die Anwesenheit eines bestimmten phobischen Objektes oder eine spezifische Situation begrenzt sein.
- Die phobische Situation wird - wann immer möglich - vermieden.
- Weitere psychische Symptome liegen meist nicht vor.
- Die Angst vor engen Räumen, weiten Plätzen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrstühlen, Menschenmengen, Kaufhäusern etc. wird gesondert als Agoraphobie diagnostiziert.
- Die Angst vor sozialen Situationen wird gesondert als Sozialphobie diagnostiziert.
- Die Angst vor bestimmten Krankheiten wie Krebs, Herzerkrankung oder Geschlechtskrankheit wird gesondert unter Hypochondrische Störung diagnostiziert.
Sozialphobie
Menschen mit einer Sozialphobie fürchten sich vor sozialen Situationen, in denen sie potentiell bewertet oder abgelehnt werden könnten. Dies können informelle Gespräche mit unbekannten Personen sein, Äußerungen vor einer Gruppe, Essen oder Schreiben in Gegenwart anderer, das Absolvieren von Prüfungen oder die Teilnahme an geselligen Veranstaltungen. Die Angst kann sich auf Situationen öffentlichen Exponiert-Seins (z.B. Vorträge, Prüfungen) beschränken oder in generalisierter Form alle Situationen umfassen, die sozialen Kontakt erfordern. Die Angst kann sich in Beschwerden wie Erröten, Händezittern, Übelkeit oder dem Drang zum Wasserlassen äußern. Die Schwere der Erkrankung variiert stark, doch Betroffenen sind in ihren beruflichen und sozialen Möglichkeiten häufig deutlich beeinträchtigt und die Ängste können sich bis hin zu Panikattacken steigern. » mehr Informationen lesen ...
Die Sozialphobie tritt in Deutschland bei ca. 3% der Frauen und ca. 1.5% der Männer auf (12-Monats-Prävalenzen). Die Störung beginnt bei den meisten um das 20 Lebensjahr herum, bei Frauen häufig etwas später als bei Männern. (Quelle: Bundesgesundheitssurvey 98)
Diagnostische Kriterien nach ICD-10 (Internationale Klassifikation psychischer Störungen, herausgegeben von der Weltgesundheitsorganisation):
- Die psychischen und körperlichen Symptome müssen von der Angst herrühren und nicht auf anderen Symptomen wie Wahn- oder Zwangsgedanken beruhen.
- Die Angst muss auf bestimmte soziale Situationen beschränkt sein oder darin überwiegen.
- Wenn möglich, wird die phobische Situation vermieden.
- Agoraphobie tritt häufig zusätzlich auf. Ist die Unterscheidung zwischen sozialer Phobie und Agoraphobie sehr schwierig, soll vorzugsweise Agoraphobie diagnostiziert werden.
- Depressive Symptome treten häufig zusätzlich auf. Eine Depression soll nur dann diagnostiziert werden, wenn ein voll ausgebildetes depressives Syndrom eindeutig festzustellen ist.
Generalisierte Angststörung
Die Generalisierte Angststörung bezeichnet lang anhaltende Ängste und Sorgen mit verschiedensten Inhalten, die über einen langen Zeitraum anhalten und die meiste Zeit des Tages umfassen. Die Betroffenen sorgen sich z.B. um ihre Gesundheit, ihre Zukunft, ihre finanzielle Absicherung und Probleme des täglichen Lebens, um ihre Eltern, ihre Kinder, ihre Freunde. Die Inhalte dieser Sorgen sind häufig nicht ungewöhnlich, sondern das Ausmaß ist es, was diese Form zu denken und zu empfinden zu einer Erkrankung macht und zu Beeinträchtigungen führt. Die Betroffenen haben wegen der anhaltenden Ängste und Nervosität Schwierigkeiten, sich auf die Anforderungen ihres Lebens zu konzentrieren und leiden vielfach unter muskulären Verspannungen und vielfältigen körperlichen Symptomen (z.B. Schwitzen, Herzklopfen, Schwindel, Oberbauchbeschwerden). » mehr Informationen lesen ...
Die Generalisierte Angststörung tritt in Deutschland bei ca. 2% der Frauen und ca. 1% der Männer auf (12-Monats-Prävalenzen). Die Störung beginnt meist im 4. Lebensjahr, bei Männer meist später als bei Frauen. (Quelle: Bundesgesundheitssurvey 98)
Diagnostische Kriterien nach ICD-10 (Internationale Klassifikation psychischer Störungen, herausgegeben von der Weltgesundheitsorganisation):
- Die Symptome der Angst müssen an den meisten Tagen und seit mehreren Monaten auftreten.
- Es liegt eine Vielzahl von Befürchtungen vor (z.B. Sorge über zukünftiges Unglück, begleitet von Nervosität, Konzentrationsschwierigkeiten usw).
- Es besteht eine motorische Anspannung (körperliche Unruhe, Spannungskopfschmerz, Zittern, Unfähigkeit zu entspannen).
- Es liegt eine vegetative Übererregung vor (Benommenheit, Schwitzen, schnelles Herzklopfen oder schnelles Atmen, Oberbauchbeschwerden, Schwindel, Mundtrockenheit u.ä.).
- Vorübergehende Symptome der Depression schließen eine Diagnose der Generalisierten Angststörung als Hauptdiagnose nicht aus.
- Die vollständigen Kriterien für eine depressive Episode, Spezifische Phobie, Sozialphobie, Agoraphobie, Panikstörung oder Zwangsstörung dürfen jedoch nicht erfüllt sein.
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) hat im Gegensatz zu allen anderen psychiatrischen Erkrankungen eine klar erkennbare Ursache, die in dem Erleben eines Existenz-bedrohenden psychologischen Traumas besteht, das bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Dies kann ein schwerer Unfall oder eine Naturkatastrophe sein, eine Entführung, Vergewaltigung oder ein Überfall. Auch das Miterleben des schweren Leides anderer Personen kann zu der Entwicklung einer PTBS führen. Während es ganz normal ist, infolge eines schweren psychologischen Traumas zunächst mit Angst und Entsetzen zu reagieren und von den Bildern der Situation verfolgt zu werden, lassen diese Symptome bei Menschen, die eine PTBS entwickeln, nicht mehr nach bzw. sie verstärken sich sogar mit der Zeit. Die Symptome dieser Angsterkrankung sind einerseits Trauma-spezifisch (Einschießen von Trauma-Bildern; starke Angstreaktionen auf Trauma-Erinnerungs-Reize, Vermeiden von Gedanken, Gesprächen, Situationen, die an das Trauma erinnern) und nicht-Trauma-spezifisch (Übererregbarkeit, Schreckhaftigkeit, Nervosität, Schlafstörungen, emotionale Stumpfheit und Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber). Häufig ist die PTBS von zusätzlicher Depression oder Substanzmissbrauch begleitet. » mehr Informationen lesen ...
Die Posttraumatische Belastungsstörung tritt nach Erlebnis eines Traumas abhängig von der Art des Traumas mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 60% auf (Durchschnitt: 14%(Kessler et al., 1995)).
Diagnostische Kriterien nach ICD-10 (Internationale Klassifikation psychischer Störungen, herausgegeben von der Weltgesundheitsorganisation):
Hauptsymptome:
- Die Angstsymptomatik tritt innerhalb von 6 Monaten nach einem traumatischen Ereignis außergewöhnlicher Schwere auf.
- Das Ereignis wird wiederholt und unausweichlich wieder erinnert, in Form von einschießenden Gedächtnisinhalten, Tagträumen oder nächtlichen Träumen.
Nebensymptome:
- Deutlicher emotionaler Rückzug, Gefühlabstumpfung
- Vermeidung von Reizen, die an das Trauma erinnern
- Vegetative Störungen wie Übererregbarkeit, Schreckhaftigkeit und Schlafstörungen
- Vorliegen von Angst, Depression und Suizidgedanken
- Drogeneinnahme, übermäßiger Alkoholkonsum
Die beiden Hauptsymptome müssen für eine Diagnosestellung vorliegen. Die Nebensymptome tragen zur Diagnosestellung bei, sind aber von nachrangiger Bedeutung.