Aktuelle Studien in der Spezialambulanz für Angsterkrankungen
1. Kognitive Verhaltenstherapie der Panikstörung mit Agoraphobie: Einzeltherapie
Die Studie richtet sich an Menschen mit der Diagnose „Panikstörung mit Agoraphobie“, also an Menschen, die unter Panikattacken leiden und Schwierigkeiten haben, bestimmte Orte aufzusuchen (z.B. Kaufhaus, öffentliche Verkehrsmittel). Den Betroffenen wird eine intensive Therapie angeboten. Sie besteht aus einer umfassenden Diagnostik, 12 Einzeltherapie-Sitzungen à 100 Minuten (zwei Sitzungen pro Woche) und zwei Auffrischungssitzungen nach Beendigung der Therapie. Bestandteil der Therapiesitzungen sind insgesamt fünf Konfrontationsübungen (sog. Expositionen). Das Therapieprogramm orientiert sich an den bewährten Prinzipien der Kognitiven Verhaltenstherapie. Als TherapeutInnen stehen Ihnen geschulte DiplompsychologInnen zur Verfügung.
Die Wirksamkeit von kognitiver Verhaltenstherapie ist in vergangenen Studien bereits ausführlich untersucht und gezeigt worden. Diese Studie hat zum Ziel, herauszufinden,
1. inwiefern körperliche Aktivität den Effekt der Therapie unterstützen kann 2. und welche biologischen Prozesse die körperliche Aktivität begleiten.
Zu diesem Zweck werden die Patienten verschiedenen Gruppen körperlicher Aktivität zugeteilt.
Der Therapieerfolg wird mithilfe verschiedener Fragebögen und Interviews wiederholt erfasst. Ebenso ermöglichen Blutabnahmen die Bestimmung bestimmter biologischer Parameter, die sich voraussichtlich durch körperliche Aktivität verändern.
Mitarbeiterinnen:
Dipl. Psych. Sophie Bischoff
cand. psych. Manja Elle
cand. psych. Claudia Gählsdorf
cand. psych. Christina Krause
cand. med. Meike Reichhold
2. Expositionstherapie bei Agoraphobie: Unterstützung des Umlernens durch D-Cycloserin
Bei diesem Projekt handelt es sich um eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Studie, welche an 2 Standorten in Berlin (Charité und Humboldt-Universität) durchgeführt wird. Erst seit kurzer Zeit weiß man in Forschungskreisen, dass D-Cycloserin, ein altbewährtes Antibiotikum, nicht nur zur Behandlung von Infektionskrankheiten hilft. In seiner Eigenschaft als indirekter N-Methyl-D-Aspartat (NMDA) Rezeptor-Agonist unterstützt diese Substanz Lernprozesse und kann somit auch das Verlernen von Angst fördern. Bei Patienten mit Panikstörung, Höhenphobie und Sozialphobie wurde bereits gezeigt, dass D-Cycloserin den Effekt einer Expositionstherapie deutlich verbessern konnte.
Die gegenwärtige Studie hat das Ziel, zu untersuchen, ob D-Cycloserin auch bei Patienten mit Agoraphobie den Erfolg einer Expositionstherapie verstärken kann. Auch in dieser Studie wird der Therapieerfolg mithilfe verschiedener Fragebögen und Interviews wiederholt erfasst. Die Ergebnisse der Studie können dazu beitragen, das Wissen über die Agoraphobie zu erweitern und v. a. die Behandlung für die betroffenen Patienten noch weiter zu verbessern. Die ambulante Expositionstherapie umfasst im Kern einen Zeitraum von 2 Monaten mit 1 bis 2 Sitzungen pro Woche.
Mitarbeiter:
Dipl. Psych. Lena Pyrkosch
Dr. med. Jens Plag
3. Neuronale Verarbeitung Angst-besetzter Situationen bei Patienten mit Panikstörung und Agoraphobie
Mittels der sogenannten Magnetresonanztomografie (fMRT) kann die Aktivierung von Hirnregionen sichtbar, und damit Prozesse des Denkens, Fühlens und Handelns der Untersuchung zugänglich gemacht werden.
In dieser Studie wird untersucht, welche Hirnregionen Patienten mit einer Panikstörung und Agoraphobie zur Verarbeitung typischer Angstsituationen nutzen - im Vergleich zu Menschen, die noch nie eine Panikattacke erlebt haben. Dazu werden den Teilnehmern Fotos gezeigt, die Situationen darstellen, in denen die Patienten - nicht aber die Gesunden - häufig Angst oder sogar Panikattacken bekommen und die sie daher häufig meiden (z.B. volle U-Bahnen, Menschenmengen oder Fahrstühle). Als Vergleich dienen neutrale Bilder (z.B. Bücher, Häuser, Pilze). Während der Betrachtung der Bilder wird die Hirnaktivität erfasst. Wir erwarten, dass insbesondere die Amygdala (auch bekannt als „Mandelkern“) bei Patienten stärker aktiviert sein wird als bei gesunden Vergleichspersonen.
Das Untersuchungsparadigma (d.h. der spezielle Ablauf in der Präsentation der Bilder und die zugehörige Aufzeichnung der Hirnaktivität) wurde eigens zu diesem Zwecke etabliert und als „Westphal-Paradigma“ bezeichnet, nach Carl Westphal, der bis Ende des vorletzten Jahrhunderts an der Charité tätig war und das Krankheitsbild der Agoraphobie erstmals beschrieben hat. Es findet auch in der BMBF-Einzeltherapiestudie (siehe oben) Einsatz.
Mitarbeiter:
Dipl. Psych. André Wittmann
Dipl. Psych. Carolin Liebscher Dipl. Psych. Johanna Gechter
4. Studie: Das Stresshormonsystem von Patient und Therapeut bei der in-vivo Exposition von Patienten mit Agoraphobie oder spezifischer Phobie
Die in-vivo Exposition, umgangssprachlich auch Konfrontationstherapie genannt, gilt als Therapiestrategie der ersten Wahl bei phobischen Störungen, so auch bei der Agoraphobie (mit/ohne Panikstörung) oder der spezifischen Phobie.
Die Durchführung der in-vivo Exposition ist für den Patienten mit Angst assoziiert. In dieser Studie soll zusätzlich untersucht werden, inwieweit die Exposition auch für den Therapeuten eine stressbesetzte Situation darstellt. Dies ist bisher nicht untersucht und objektiviert worden.
Unsere Studie misst daher die Aktivierung des Stresshormonsystems von Therapeut und Patient während der Durchführung einer in-vivo Exposition. Dazu werden Speichelproben genommen zur Bestimmung von Cortisol und a-Amylase, die als Marker für physiologischen oder psychischen Stress gelten.
Diese Studie wird im Rahmen unseres Gruppentherapie-Behandlungskonzepts für Patienten mit Agoraphobie mit/ohne Panikstörung durchgeführt.
Für Patienten mit einer spezifischen Phobie bieten wir im Rahmen der Studie eine kognitive Verhaltenstherapie im Einzelsetting an, die in einem kooperierenden Behandlungszentrum durchgeführt wird.
Mitarbeiter:
Dipl. Psych. Sarah Schumacher
Dr. med. Jens Plag
5. Studie: Pharmakologische Behandlung der Panikstörung mit Agoraphobie und ihre Auswirkung auf die neuronale Aktivierung
Sowohl die Kognitive Verhaltenstherapie als auch die medikamentöse Therapie mit Antidepressiva (SSRI/SSNRI) haben sich als langfristig wirksame Methoden zur Behandlung der Panikstörung mit Agoraphobie erwiesen. Doch welche Veränderungen der Hirnaktivität stehen mit den Verbesserungen oder der Aufhebung der Symptomatik in Verbindung? Diese Studie vergleicht beide Behandlungsstrategien und deren Auswirkung auf die Hirnaktivität der Probanden mittels funktioneller Kernspintomographie. Die Untersuchung liefert somit einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag zum Verständnis der Panikstörung mit Agoraphobie und ihrer Behandlung.
Sollten Sie unter agoraphobischen Ängsten leiden und Interesse an einer zeitnahen und individuell abgestimmten medikamentösen Behandlung und einer MRT-Untersuchung haben, dann melden Sie sich zur Abklärung einer Studienteilnahme bei Dipl.-Psychologin Carolin Liebscher 030 450 617 017 oder per Email an carolin.liebscher@charite.de.
Mitarbeiter:
Dipl. Psych. Carolin Liebscher
Dr. med. Jens Plag
6. Sport-Therapie-Studie
In dieser Studie soll untersucht werden, ob es möglich ist, den Effekt einer kognitiven Verhaltenstherapie bei Patienten mit einer Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie mit Hilfe von regelmäßiger körperlicher Betätigung noch zu verbessern.
Dafür werden Patienten mit dieser Angsterkrankung an einer am Haus etablierten und nachweislich wirksamen Gruppen-Verhaltenstherapie teilnehmen, die über einen Zeitraum von einem Monat 2x pro Woche am späten Nachmittag ambulant stattfindet. Zusätzlich werden alle Teilnehmer an 3 Tagen pro Woche ein angeleitetes körperliches Training absolvieren. Die die Therapie flankierenden EEG-Untersuchungen (Elektroenzephalografie) sollen zudem Aufschluss über biologische Prozesse geben, die dem therapeutischen Prozess unterliegen.
Mitarbeiter:
Dipl. Psych. Katharina Gaudlitz
Dr. med. Jens Plag